Zarengold

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...von Karsten Prachold

 

Russlands stolze Metropolen: Moskau und St. Petersburg

In neuem Glanz erstrahlen die beiden prominentesten russischen Städte: Moskau, das politische und kulturelle Herz des größten Landes der Welt, und St. Petersburg, die prunkvolle Zarenstadt am Finnischen Meerbusen, wo der Odem längst verstrichner Tage noch das kleinste Gässchen erfüllt.

Die Sonderzugreise Zarengold beginnt in einer ihrer populärsten Varianten in der Hauptstadt – jedoch ist ein Abstecher nach St. Petersburg vorab die Möglichkeit, eine ganz andere Form russischer Urbanität kennen zu lernen; ein Russland, in dem sich die mondäne Vergangenheit des großen Zarenreiches widerspiegelt. Es wäre fahrlässig, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen.

Die Stadt an der Newa, die gerade geschwängert von kühnem Patriotismus ihren 300. Geburtstag gebührend und ausgelassen feierte, wurde von Peter dem Großen gegründet, der die Stadt nach seinem Schutzheiligen Simon Petrus benannte. Dort, wo noch heute die Peter-und-Paul-Festung steht, auf der so genannten Haseninsel, sollte einst eine Festung errichtet werden, um im Großen Nordischen Krieg gegen das Königreich Schweden bestehen zu können – was schließlich erfolgreich gelang. Drei Jahrhunderte, einige Zaren-Dynastien und zwei Weltkriege später präsentiert sich St. Petersburg als allerorten geschichtsbewusste, prunkvolle, gleichzeitig aber auch moderne Weltstadt. Nicht nur für Liebhaber von Barock und Klassizismus bietet St. Petersburg unvergleichliche Kunstgenüsse. MoskauMoskau hingegen, die nicht enden wollende Mega-Metropole im Zentrum des europäischen Russlands, glänzt mit dem geschichtsträchtigen Roten Platz, dem herrschaftlichen Kreml, mit Prospekten und Zuckerbäckerbauten, mit Goldkuppeln und einzigartigen Metrostationen, den Palästen fürs Volk, wie Stalin sie taufte. Das Dritte Rom, wie die Stadt an der Moskwa auch genannt wird, verheißt Moloch und Magie, ruhig und bedächtig, das ist Moskau nie.

 

Der Zarengold-Sonderzug

Entdecken Sie den Mythos Transsib auf einer einzigartigen Reise, die an Vielfalt und Individualität, an Ursprünglichkeit und atemberaubenden Eindrücken kaum zu übertreffen ist: Mit Zarengold gehen Sie auf eine Entdeckungsreise, die ursprüngliche Landschaften, beeindruckende Sehenswürdigkeiten und vielfältige Traditionen verbindet.

Die einzige TÜV-geprüfte Bahnreise auf der längsten Bahnstrecke der Welt ist die wohl komfortabelste Art und Weise, die Weite Russlands, der Mongolei und Chinas zu erfahren.

Der Zug verfügt über Abteile in drei Kategorien („Gehobener Standard“, „Nostalgie-Komfort“ und „Bolschoi“), mehrere geschmackvoll eingerichtete Speisewagen und einen Barwagen. Die beliebten Abteile der Kategorie Nostalgie-Komfort befinden sich in den Original-Waggons, die Breschnew in den 50er Jahren für hohe Regierungsangestellte und offizielle Gäste des Landes bauen ließ. Hier kann man reisen wie einst die roten Zaren zu Sowjetzeiten. In der Kategorie Bolschoi erwartet den Reisenden gar der Luxus eines privaten Badezimmers im Abteil.

 

Auf Transsibirischem Kurs zum Baikalsee

Die längste Bahnstrecke der Welt. Und mit Sicherheit die berühmteste. Ein Bindeglied zwischen Naturräumen, Völkern und Kulturen. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und mittlerweile über 100 Jahre alt. Unzählige Mythen, Geheimnisse und Anekdoten ranken sich um den 9.288 km langen Schienenstrang zwischen Moskau und Wladiwostok.

Schwelle für Schwelle erfahren die Gäste bei diesem unvergleichlichen Bahn-Erlebnis nicht nur die Weite des schlafenden Landes Sibirien, sondern auch viel über sich selbst: Eine Bahnreise im Zarengold-Sonderzug hat trotz aller Besichtigungen und Programmpunkte, sei es in Kasan, Jekaterinburg oder Nowosibirsk, etwas beinah unwirklich Meditatives. Solange die Birken immerfort als Taktstriche am Fenster vorbeiziehen, der Samowar summt und der Chai auch an kühleren Tagen für wohlige Wärme sorgt, solange die umtriebige Waggonschaffnerin ein trauriges Lied aus vergangener Zeit auf den Lippen hat, ja, so lange gehört die Fahrt auf der Transsibirischen Eisenbahn wohl zu den intensivsten und stimulierendsten Reise-Erlebnissen, die diese Welt bereithält.

Das Rollen der historischen Waggons scheint die Zeit anzuhalten: Rastlose werden zu Müßiggängern, Redselige werden urplötzlich schweigsam und besonnen, und aus Fremden werden hier Freunde.

 

Von Irkutsk nach Wladiwostok

Wehmütig lassen wir Väterchen Baikal, das größte Süßwasserreservoir und den tiefsten See der Erde, hinter uns. Unsere Reise führt nun weiter nach Osten, immer weiter, bis ans Japanische Meer; bis zu dem Punkt, wo es auf dem Landweg nicht mehr weiter geht.

Während westlich des Baikalsees noch in regelmäßigen Abständen fröhlich winkende Kinder und Mütterchen mit vom Wetter gegerbter Haut und Eimern voller Waldbeeren auf uns warteten, zeigt sich die russische Seele hier von einer kargeren Seite. Nur noch selten gleiten die buntgescheckten Holzhäuser abgelegener Dörfer an den Abteilfenstern entlang, immer länger werden die Strecken, an denen kein Dorf, kein Haus und kein Mensch weit und breit zu sehen ist.

Der Horizont wird weiter, die Wälder endloser. Sumpfige Ebenen erstrahlen in sattem Grün und wechseln sich ab mit unermesslichen Birkenhainen, deren Stämme in der Bewegungsunschärfe der Fahrt zu einer weißen Fahne werden, mit der das friedliche Land uns empfängt. Hier und da blitzen schneebedeckte Gipfel am Horizont. Zwischendrin Khabarowsk, wo der gigantische Amur überquert wird, und nach weiteren 700 Kilometern taucht wie auf dem Nichts eine Stadt auf, die auch in Südeuropa ein charmantes Bild abgeben könnte: Am Japanischen Meer haben wir nach 9.288 Bahnkilometern Wladiwostok, den berühmten Endpunkt der Transsibirischen Eisenbahn, erreicht.

 

Zwischen Yak und Jurte: Die Mongolei

Wer nicht nur von einer Durchquerung des flächenmäßig größten Landes der Erde träumt, sondern Entdeckergeist und ein nicht zu bändigendes Interesse für die Nachkommen von Dschingis Khan und Konfuzius mitbringt, wird die beliebteste Route des Zarengold-Sonderzuges wählen und östlich von Ulan Ude den Gleisen der Transmongolischen Eisenbahn folgen, schließlich über die Hauptstadt der Mongolei, Ulaan Baatar, und den chinesischen Grenzposten in Erlian den Weg ins Reich der Mitte bis nach Peking fortsetzen.

Märchenhaft mutet die Mongolei an, die wir nach einer entspannten Passkontrolle im Abteil erreichen: Hier durchqueren wir, nur durch das Fenster des Abteils getrennt, eine geradezu urtümliche Gras- und Steppenlandschaft. Die Luft ist so klar, dass man den Horizont in der Ferne nur erahnen kann, so weit scheint er. Erst nach Stunden ist hier und da ein uriges Jurtencamp zu erspähen, ab und an auch sich langsam durch die Täler schiebende Ketten von Höckern: Kamelkarawanen auf einer Jahrtausende alten Handelsroute. Dann einmal berittene Nomaden, die sich ihren Yaks widmen; später buddhistische Tempel, die Hauptstadt Ulaan Baatar.

Schließlich erreicht der Zarengold-Sonderzug nach der Durchquerung der unbeschreiblichen Wüste Gobi bei Erlian die chinesische Grenze – Zeit, das inzwischen lieb gewonnene rollende Zuhause zu verlassen …

 

Reich der Mitte, Ende der Reise

Der chinesische Sonderzug, der uns die letzten Kilometer durch das Reich der Mitte führt, überrascht mit modernen Abteilen und unerwartet gutem Service. Doch das Herz, so scheint es, blieb in den plüschig-nostalgischen Waggons der russischen Bahn, die einst schon von Breschnews Genossen für Fernreisen bevorzugt wurden. Doch viel Muße, um den Waggons aus der Sowjet-Zeit hinterher zu trauern bleibt nicht: Nur 14 Stunden dauert die Fahrt durch Chinas Nordosten, gerade lang genug, um einen Hauch vom echten Fernen Osten einzuatmen.

Quirlige Dörfer mit Rikschas und unzähligen Fahrrädern, Reisfelder und eine Ahnung, dass hier etwas Berauschendes, etwas Großes heranwächst, bringen uns Geschichte und Zukunft des bevölkerungsreichsten Landes der Erde im Zeitraffer näher. Auf dieser Seite der Großen Mauer, so berichten einige Chinesen, sagt man, dass in China kein Stein auf dem anderen bleibe, wenn es denn nur dem Fortschritt diene. Wolkenkratzer und ein Ballett aus unzähligen Baukränen, die uns bei der morgendlichen Einfahrt nach Peking begrüßen, bestätigen diese Vermutung. Hier, zwischen Kaiserpagode, Verbotener Stadt und Himmelstempel, hier werden wir Zeugen eines Wirtschaftswunders, das seine Schatten in die Zukunft wirft, und einer unvergleichlichen Kulturgeschichte, die Jahrtausende weit zurückreicht.

Das, was als Lebenstraum angekündigt war, war tatsächlich ein Traum. Der Traum eines bewegenden und bewegten Lebens, aus dem man nur widerwillig erwacht. Ferien vom Ich, nach denen man die Schulbank des westeuropäischen Alltags umso härter unter sich spürt.

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